Erdbeerbaum (botanisch: Arbutus)
Er ist eine tolle Pflanzengattung aus der Familie der Heidekrautgewächse. Dieser Kandidat fasziniert vor allem deshalb, weil er im Herbst und Winter Glockenblüten und erdbeerartige Früchte gleichzeitig trägt. Die Früchte sind essbar. Frisch vom Baum gepflückt ist ihr Geschmack allerdings oft etwas gewöhnungsbedürftig: Das Fruchtfleisch ist leicht mehlig und schmeckt süß-säuerlich, aber eher dezent bis fad. Da sie jedoch viel Vitamin C und Pektin enthalten, eignen sie sich hervorragend zur Verarbeitung:
- Für fruchtige Marmeladen und Gelees
- Zur Herstellung von Likör und Schnaps (in Portugal bekannt als „Medronho“)
Meine Erfahrungen: Ich habe diesen mittlerweile als kleinen Baum wachsenden treuen Begleiter seit über 10 Jahren. Nun ist er soweit, dass sich Früchte – es ist Ende Oktober- bilden. Letztes Jahr ist er das erste Mal von Schädlingen befallen war. Deshalb musste er deutlich eher wieder ins Freie bei ca. 3 Grad-dies hat er gut überstanden und den Schädlingsbefall haben wir auch in den Griff bekommen.
Standort: Im Sommer steht er windgeschützt und eingebettet zwischen Topinambur und der Korkenzieherweide. Der Erdbeerbaum gilt zwar als bedingt winterhart und kann kurzzeitig Frost bis zu -10 °C oder -15 °C überstehen – ich räume ihn sicherheitshalber im Winter in den unbeheizten Wintergarten. Dies hat sich die ganzen Jahre als gut erwiesen. Er steht im kälteren Bereich beim Überwintern. Er hat mittlerweile eine sehr schöne, buschige Größe von ca. 2,30 Meter.
Gießen und Düngen: Man sagt, dass diese Pflanze nur sehr sparsam gegossen werden soll. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass im Sommer der Durst doch schon recht hoch ist und im Winter eher sparsam. Gedüngt wird mit Bananenschalensud und Katzenhaaren.
Schneiden: Ältere Exemplare sollten kaum geschnitten werden, da sie das ganze Jahr über Knospen oder Früchte tragen. Ein Formschnitt empfiehlt sich nur bei Jungpflanzen im zeitigen Frühjahr. Ich schneide meinen nur, wenn die Höhe die Dachhöhe des Wintergartens überschreitet oder ein Ast tatsächlich extrem nach außen steht.
Vermehrung: Entweder im Spätsommer halbverholzte Stecklinge schneiden, in Anzuchterde stecken, Tüte drüber, warm ohne direkte Sonne und dann warten (es kann schon einige Monate dauern, bis der Steckling Wurzeln bildet. Oder aus Samen – diese sind Kaltkeimer und Lichtkeimer. Nach einem Aufenthalt von ca. 6 Wochen im Kühlschrank, die Samen auf die Erde legen und warten. Nach ca. 2 Monaten starten die neuen grünen Mitbewohner ins Leben.
Verwendung:
- Marmeladen & Gelees: In mediterranen Ländern (z. B. Portugal, Spanien, Italien) ist die Geleia de Medronho (Erdbeerbaum-Marmelade) eine beliebte Spezialität.
- Spirituosen: Der wohl berühmteste Einsatzzweck ist der Aguardente de Medronho aus Portugal – ein hochprozentiger, klarer Schnaps aus den vergorenen Früchten. In Italien wird daraus auch der Likör Corbezzolo hergestellt.
- Honig: Aus den Blüten gewinnen Bienen den seltenen, edel-bitteren Erdbeerbaumhonig (Miele di Corbezzolo), der besonders auf Sardinien geschätzt wird.
- Tee-Aufgüsse: Ein Tee aus den getrockneten Blättern wird traditionell bei Blasenentzündungen, Harnwegsinfekten und leichten Magen-Darm-Beschwerden eingesetzt (ähnlich wie Bärentraubenblätter).
- Adstringierende Wirkung: Aufgrund der Gerbstoffe wirken Extrakte antiseptisch und entzündungshemmend.
- Feines Hartholz: Das Holz des Erdbeerbaums ist sehr hart, schwer und hat eine schöne rötliche Färbung. Es lässt sich hervorragend drechseln und wird für feine Holzarbeiten, Schnitzereien oder Werkzeuggriffe verwendet.
- Brennholz: Es brennt sehr langsam und mit enormer Hitze, weshalb es in Südeuropa traditionell ein begehrtes Holz für Holzkohle und traditionelle Steinöfen ist.
- 1 kg reife, rote Erdbeerbaum-Früchte
- 500 g Gelierzucker (2:1)
- Saft von 1 Zitrone (gleicht die milde Süße aus)
- ca. 100–150 ml Wasser
- Optional: 1 Prise Zimt oder etwas Vanillemark
- Früchte kochen: Die Früchte gründlich waschen. Zusammen mit dem Wasser und dem Zitronensaft in einen Topf geben. Bei mittlerer Hitze ca. 10–15 Minuten weich köcheln lassen, bis die Früchte aufplatzen.
- Pürieren & Sieben: Die Masse mit einem Kartoffelstampfer oder Pürierstab grob zerkleinern. Anschließend die Masse durch ein feines Haarsieb streichen, um die harten Kerne und Hautreste zu entfernen.
- Einkochen: Das aufgefangene Fruchtmark abwiegen. Gib die entsprechende Menge Gelierzucker (Verhältnis 2:1) dazu. Alles im Topf unter Rühren zum Kochen bringen und 4 Minuten sprudelnd kochen lassen.
- Abfüllen: Die Gelierprobe machen (einen Teelöffel Marmelade auf einen kalten Teller geben; wird sie fest, ist sie fertig). Die heiße Marmelade sofort in sterile Schraubgläser füllen, fest verschließen und für 5 Minuten auf den Kopf stellen.
Geschichte: Der Erdbeerbaum ist tief in der Kultur, Mythologie und Heraldik des Mittelmeerraums verwurzelt. Seit der Antike fasziniert die Pflanze die Menschen durch ihre biologische Besonderheit, mitten im Winter gleichzeitig zu blühen und Früchte zu tragen.
- Das Symbol des ewigen Lebens: Da der Baum immergrün ist und im tiefsten Winter Früchte trägt, galt er in der römischen Mythologie als Symbol für Unsterblichkeit und Ausdauer.
- Ovid und Vergil: Der römische Dichter Ovid beschrieb in seinen Metamorphosen das „Goldene Zeitalter“ der Menschheit, in dem die Menschen im Einklang mit der Natur lebten und sich unter anderem von den wilden Früchten des Erdbeerbaums ernährten. Vergil erwähnte in seiner Äneis, dass Erdbeerbaumzweige auf die Gräber von Helden gelegt wurden, um ihnen Ehre zu erweisen.
- Göttin Carna: In der römischen Religion nutzte die Schutzgöttin Carna (die Göttin der Scharniere und der Gesundheit) einen Zweig des Erdbeerbaums, um böse Geister und Hexen von den Haustüren der Menschen fernzuhalten.
- „El Oso y el Madroño“: Das Wappen zeigt einen Bären, der sich an den Stamm eines Erdbeerbaums (Madroño) lehnt und nach den roten Früchten greift.
- Die Nationalpflanze: Der Dichter Giovanni Pascoli widmete dem Baum ein berühmtes Gedicht. Der Grund für die patriotische Verehrung: Der Erdbeerbaum vereint im Winter die Farben der italienischen Flagge in sich:
- Grün (die Blätter)
- Weiß (die Blüten)
- Rot (die reifen Früchte)
- Aufgrund dieser biologischen Laune der Natur wurde er im 19. Jahrhundert informell zum „Nationalbaum“ Italiens erklärt.
- Winterhärte-Zonen: In milden Regionen Mitteleuropas (z. B. im Rheintal, rund um den Bodensee, in Weinbaufeldern oder in geschützten Innenstadt-Mikroklimaten) übersteht der Westliche Erdbeerbaum die Winter mittlerweile problemlos im Freiland.
- Zukunft als Stadtbaum: Da europäische Städte durch den Klimawandel immer heißer und trockener werden, testen Stadtplaner den Erdbeerbaum zunehmend als robustes Zukunftsgehölz für urbane Grünflächen. Er verträgt die Hitze und strahlt im grauen mitteleuropäischen Spätherbst durch seine roten Früchte und weißen Blüten viel Farbe aus.
Mein Fazit: Einfach ausprobieren- es lohn sich.