Kapuzinerkresse (Tropaeolum) ist essbar und gilt als natürliches Antibiotikum.

Ihren Namen verdankt sie einer optischen Ähnlichkeit mit den Kapuzen von Mönchskutten.

Die Kapuzinerkresse wurde 2013 zur Arzneipflanze des Jahres gewählt.
  • Inhaltsstoffe: Sie ist reich an Senfölen (Glucosinolaten) und Vitamin C.
  • Wirkung: Wirkt stark antibakteriell, antiviral und entzündungshemmend.
  • Einsatz: Wird häufig zur Vorbeugung und Behandlung von Atemwegsinfekten und unkomplizierten Blasenentzündungen genutzt.

Meine Erfahrungen: Ich pflanze diese wunderbaren Kapuzinerkressen jedes Jahr an allen möglichen Stellen im Garten, im Topf oder Kübel. Abends wenn ich dann durch den Garten streife, nasche ich die Blüten direkt von der Pflanze. Überhängend im Kasten kaschieren sie zu dem noch unschönen Mauern ö.ä.. Die Samen sammle ich immer wieder ab und verarbeite sie dann weiter. Den letzten Teil der Samen lasse ich an Ort und Stelle liegen. Oft treiben hier im Folgejahr von „ganz allein “ wieder neue Mitbewohner aus.

Standort: Sonnig bis halbschattig. Je mehr Sonne sie bekommt, desto üppiger blüht sie. Aber auch vor meinem Haus- NO Seite- wächst sie prima und blüht auch- vielleicht nicht ganz so üppig, wie an geschützten sonnigen Standorten.

Gießen und Düngen: An heißen Tagen gieße ich immer so viel, dass im Untersetzer Wasser stehen bleibt. Zu viel Dünger führt zu riesigen Blättern, aber kaum Blüten. Ich setzte eher auf „Langzeitdünger wie Katzenhaare“.

Erde: Eher nährstoffarm und durchlässig. Gerne mische ich Sand mit unter.

Schneiden:

  • Für mehr Blüten (Ausputzen): Verblühte Blüten ausknipsen und gelbe Blätter regelmäßig mit den Fingern entfernen. Das verhindert, dass die Pflanze Energie in die Samenbildung steckt, und regt sie dazu an, bis zum Frost immer neue Knospen zu bilden.
  • Bei zu starkem Wuchs (Einkürzen): Rankende Sorten können im Sommer extrem lang werden. Wenn sie andere Pflanzen überwuchern oder über den Kopf wachsen, kann man die Triebe einfach mit einer sauberen Schere um die Hälfte oder auf die gewünschte Länge zurückschneiden. Sie treibt danach schnell wieder buschig aus.
  • Zur Ernte: Die Blätter und Blüten am besten morgens frisch mit einer Schere abschneiden. Dabei immer genug Blätter an der Pflanze belassen, damit sie weiterwachsen kann.
  • Nach dem ersten Frost: Die Pflanze ist frostempfindlich und geht im Spätherbst ein. Sobald sie erfroren ist, schneidet man sie bodennah ab. Die Wurzel kann im Boden verbleiben und verrottet dann (sie lockern die Erde auf) oder den Rest auf den Kompost werfen. Ich überwintere ab und an besonders schöne Exemplare im Wintergarten, jedoch muss man hier die Kapuzinerkresse im Auge behalten, da sie extrem anfällig für Schädlinge (Blattläuse, Spinnenmilbe und Co.) ist.

Vermehrung: Am Einfachsten durch die gesammelten Samen im Herbst. Diese einige Tage trocknen lassen und dann kühl und dunkel aufbewahren. Ab April können dann die Samen auf der Fensterbank vorgezogen werden oder ab Mitte Mai direkt ins Beet ausgesät werden.

Verwendung: Alle oberirdischen Teile sind essbar und schmecken frisch-würzig bis scharf.

Küche:
Die Pflanze bringt eine feine, meerrettich- oder senfartige Schärfe in Gerichte. Sie sollte immer frisch und roh verwendet werden, da die Hitze beim Kochen das Aroma und die Vitamine zerstört.
  • Blüten: Perfekt als essbare Dekoration auf Salaten, Suppen, Bowls oder Frischkäse. Sie sehen wunderschön aus und schmecken leicht süßlich-scharf.
  • Blätter: Kleingeschnitten eine tolle Würze für Quark, Kräuterbutter, Kartoffelsalat oder in grünen Smoothies. Größere Blätter eignen sich auch als würzige „Wraps“ zum Befüllen.
  • Grüne Samen & Knospen: Kann man hervorragend als „falsche Kapern“ einlegen. Dazu wäscht man die festen, grünen Samen, salzt sie ein, lässt sie ziehen und kocht sie anschließend kurz in einem Essig-Kräuter-Sud auf.
  • Kräuteröl & Essig: Einfach Blüten und Blätter in eine Flasche gutes Olivenöl oder hellen Essig geben. Nach ca. zwei Wochen hat das Öl eine schöne Farbe und eine feine Schärfe angenommen.
Hausapotheke:
Wegen ihrer starken antibakteriellen und antiviralen Wirkung wird sie auch als „pflanzliches Antibiotikum“ bezeichnet. Verantwortlich dafür sind die enthaltenen Senföle.
  • Frischsaft-Kur: Aus den frischen Blättern kann man Saft pressen. Ein bis zwei Teelöffel täglich helfen bei beginnenden Erkältungen oder Blasenentzündungen.
  • Tinktur: Blätter und Blüten in hochprozentigem Alkohol (z. B. Wodka) für 2–3 Wochen ansetzen, abseihen und bei Bedarf tropfenweise einnehmen (unterstützt das Immunsystem).
  • Umschläge: Zerriebene Blätter können als Breiumschlag auf schlecht heilende Wunden oder leichte Hautentzündungen gelegt werden, da sie desinfizierend wirken.
Im Garten-Pflanzenschutz:
Im Gemüsegarten ist sie eine unschlagbare Ablenkungspflanze (Opferpflanze).
  • Schutz für Gemüse: Setzt man sie neben Kohl, Tomaten oder Obstbäume. Blattläuse und die Raupen des Kohlweißlings stürzen sich bevorzugt auf die Kapuzinerkresse und lassen das eigentliches Gemüse in Ruhe.
  • Bodenverbesserer: Da sie schnell dichte Teppiche bildet, unterdrückt sie „Unkraut“- wobei ich meine „Unkräuter“ schätze und ihnen auch ihren Raum lasse, und hält die Feuchtigkeit im Boden. Im Winter friert sie ab und hinterlässt eine lockere Erdschicht.

Rezept:

Hier ist das klassische und einfache Rezept, um aus den grünen Samen der Kapuzinerkresse knackig-würzige „falsche Kapern“ selber zu machen.

Zutaten
  • ca. 2 Tassen grüne Kapuzinerkressen-Samen (wichtig: sie müssen noch grün, prall und knackig sein, nicht braun oder holzig)
  • 2 EL Salz (zum Entbittern)
  • 150 ml milder Essig (z. B. Weißweinessig oder Apfelessig)
  • 100 ml Wasser
  • 1 TL Zucker (oder Honig)
  • Gewürze nach Geschmack: z. B. 1 Lorbeerblatt, ein paar Pfefferkörner, Senfkörner oder ein Zweiglein Thymian
Zubereitung
Schritt 1: Das Einsalzen (Entzieht Bitterstoffe & hält knackig)
    1. Die gesammelten Samen gründlich waschen und Stängelreste aussortieren.
    2. Die Samen in eine kleine Schüssel geben und großzügig mit 2 EL Salz bestreuen,  alles gut verrühren.
    3. Die Samen abgedeckt für 24 Stunden bei Raumtemperatur ziehen lassen. Dabei tritt Flüssigkeit aus und die Samen werden entbittert.

Schritt 2: Abspülen
  1. Die Samen nach den 24 Stunden in ein Sieb schütten.
  2. Gründlich mit kaltem, klarem Wasser abspülen, um das überschüssige Salz zu entfernen.
  3. Die Samen gut abtropfen lassen und in ein oder zwei sterilisierte, saubere Schraubgläser füllen (z. B. alte Marmeladengläser).
Schritt 3: Den Sud kochen & abfüllen
  1. Essig, Wasser, Zucker und die ausgewählten Gewürze in einen kleinen Topf geben.
  2. Den Sud einmal kurz aufkochen, bis sich der Zucker vollständig aufgelöst hat.
  3. Den kochend heißen Sud mitsamt den Gewürzen direkt über die Samen ins Glas gießen, sodass alle Samen vollständig mit Flüssigkeit bedeckt sind.
  4. Das Glas sofort fest verschließen und abkühlen lassen.
Durchziehen lassen & Haltbarkeit
    • Wartezeit: Die falschen Kapern sollten vor dem ersten Verzehr mindestens 2 bis 4 Wochen an einem dunklen, kühlen Ort (z. B. im Keller) durchziehen. Erst dann entfalten sie ihr volles Aroma.
    • Haltbarkeit: Ungeöffnet und kühl gelagert halten sich die Kapern ca. 6 bis 12 Monate. Sobald ein Glas geöffnet ist, gehört es in den Kühlschrank und sollte innerhalb weniger Wochen verbraucht werden.

Sie schmecken hervorragend in Königsberger Klopsen, auf Pizza, in Nudelsaucen oder einfach im Kartoffelsalat.
Die falschen Kapern aus Kapuzinerkresse haben einen sehr markanten, würzig-pikanten Geschmack, der deutlich schärfer und pfeffriger ist als der von echten Kapern.
Man kann ihr Aroma als eine Kombination aus drei Komponenten beschreiben:
    • Knackige Meerrettich-Schärfe: Durch die in der Pflanze enthaltenen Senföle haben die Samen eine typische, frische Schärfe. Sie erinnert stark an Meerrettich, Radieschen oder Wasabi, brennt aber nicht unangenehm nach.
    • Säuerlich-würzige Marinade: Durch den Essigsud bekommen sie die klassische, saure Kapern-Note. Zusammen mit den Kräutern und Gewürzen (wie Senfkörnern oder Lorbeer) entsteht der typische Charakter von Eingelegtem.
    • Senf- und Kressenote: Im Abgang schmeckt man die Verwandtschaft zur Gartenkresse und zu Kapuzinerkressenblättern deutlich heraus – leicht krautig und pfeffrig.

Der größte Unterschied zu echten Kapern:
Echte Kapern (die Blütenknospen des Kapernstrauchs) schmecken eher herb, leicht bitter und salzig-sauer. Die falschen Kapern hingegen bringen einen richtigen Schärfe-Kick mit und sind im Biss oft etwas knackiger.

Geschichte:

Die Kapuzinerkresse stammt ursprünglich aus Mittel- und Südamerika, genauer gesagt aus den Andenregionen von Peru, Ecuador und Kolumbien.
  • Heil- und Nutzpflanze der Inka: Die Inka und andere indigene Völker nutzten die Pflanze bereits vor Jahrhunderten. Sie schätzten sie als vitaminreiches Nahrungsmittel und setzten die Blätter als Wundheilmittel bei Verletzungen und Entzündungen ein.

Im Zuge der spanischen Eroberung Südamerikas gelangte die Pflanze im 16. Jahrhundert nach Europa. Zunächst wurde die Pflanze in Europa wegen ihrer leuchtenden Farben ausschließlich als exotische Zierpflanze in den Gärten des Adels bewundert.

  • Entdeckung für die Küche: Erst im 18. Jahrhundert erkannten Gärtner und Köche, dass man die Blätter und Blüten essen kann. Besonders die Knospen und Samen wurden schnell als günstiger Ersatz für die teuren, importierten echten Kapern beliebt (daher der alte Volksname „Deutsche Kaper“).
  • Medizinischer Durchbruch: Im 20. Jahrhundert untersuchte man die Pflanze wissenschaftlich. In den 1950er Jahren wies der deutsche Arzt Joachim Klensch die starke antibiotische Wirkung der Senföle in der Kapuzinerkresse nach. 

Mein Fazit: Die Kapuzinerkresse verbindet ganz einfach die Schönheit und Nutzbarkeit. Es lohnt sich definitiv, diese tolle Pflanze anzubauen und zu verarbeiten. Durch das Überwintern (hier unbedingt auf Schädlinge regelmäßig kontrollieren) kann ich das ganze Jahr über die Blüten und Blätter frisch nutzen. Das Trocknen bringt einen Geschmacksverlust und Wirkungsverlust mit sich. Das Einfrieren mit etwas Wasser ist dann die sinnvollere Alternative.